Das Innere des Schiefen Turms von Pisa überrascht viele Besucher. Anders als man vielleicht erwarten würde, ist das Turminnere größtenteils hohl – ein zylindrischer Schacht, der von einer spiralförmigen Wendeltreppe umgeben ist. Diese einzigartige Architektur macht den Aufstieg zu einem faszinierenden Erlebnis, das Sie so schnell nicht vergessen werden.
Die hohle Mitte des Turms
Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Türmen ist das Zentrum des Schiefen Turms von Pisa vollständig hohl. Wenn Sie nach oben blicken, sehen Sie einen etwa 7 Meter breiten zylindrischen Schacht, der sich bis zur Glockenstube erstreckt. Dieses architektonische Design wurde gewählt, um das Gewicht des Turms zu reduzieren und gleichzeitig Platz für die Wendeltreppe zu schaffen.
Die Wände des Turms sind zwischen 2,4 und 4 Metern dick, wobei die Wandstärke nach oben hin abnimmt. In diesem massiven Mauerwerk verläuft die Treppe, die Sie spiralförmig nach oben führt. Das Gefühl, durch diese jahrhundertealten Mauern aufzusteigen, ist einzigartig und lässt Sie die Geschichte förmlich spüren.
Faszinierende Perspektive
Vom Erdgeschoss aus können Sie durch den hohlen Schacht bis hinauf zu den Glocken sehen – ein beeindruckender Anblick! Das Licht, das durch die oberen Öffnungen einfällt, erzeugt je nach Tageszeit eine mystische Atmosphäre.
Die legendäre Wendeltreppe
Das Herzstück des Turm-Erlebnisses ist die historische Wendeltreppe mit ihren 294 Marmorstufen. Diese Treppe windet sich spiralförmig an der Innenwand des Turms entlang nach oben. Die Stufen sind aus dem gleichen weißen Carrara-Marmor gefertigt, der auch für die Außenfassade verwendet wurde.
Die Stufen sind stark abgenutzt – ein Zeugnis der Millionen von Besuchern, die über die Jahrhunderte hier hinaufgestiegen sind. An manchen Stellen sind die Stufen so ausgetreten, dass sie in der Mitte deutliche Vertiefungen aufweisen. Dies macht den Aufstieg interessant, erfordert aber auch Aufmerksamkeit und festes Schuhwerk.
Die Treppe ist relativ eng, was bedeutet, dass sich auf- und absteigende Besucher an manchen Stellen passieren müssen. Es gibt keine separate Treppe für den Abstieg. Die Breite variiert, ist aber im Durchschnitt etwa 80 cm. Für Menschen mit Klaustrophobie kann dies eine Herausforderung sein.
Das Gefühl der Neigung
Eines der einzigartigsten Erlebnisse beim Aufstieg ist das spürbare Gefühl der Neigung. Da sich der Turm um etwa 3,97 Grad neigt, ist dies während des Aufstiegs deutlich wahrzunehmen. An manchen Stellen scheint es bergab zu gehen, an anderen bergauf – obwohl Sie ständig steigen.
Dieses Phänomen kann bei empfindlichen Personen ein leichtes Schwindelgefühl oder Desorientierung verursachen. Ihr Gehirn versucht ständig, die widersprüchlichen Signale von Augen und Gleichgewichtssinn zu verarbeiten. Die meisten Besucher empfinden dies als faszinierend, aber wenn Sie anfällig für Seekrankheit sind, sollten Sie vorsichtig sein.
Besonders interessant ist der Moment, wenn Sie eine der Außengalerien betreten. Hier wird die Neigung noch deutlicher spürbar, da Sie plötzlich einen visuellen Bezugspunkt zur geraden Horizontlinie haben. Der Boden unter Ihren Füßen steht eindeutig schief zur umgebenden Landschaft – ein unvergesslicher Moment.
Die Zwischengalerien
Auf jedem der acht Stockwerke haben Sie die Möglichkeit, die Treppe zu verlassen und eine der Außengalerien zu betreten. Diese umlaufenden Arkaden bieten nicht nur eine willkommene Pause vom Treppensteigen, sondern auch wunderschöne Ausblicke auf die Piazza dei Miracoli und die Stadt Pisa.
Die Galerien sind von Säulen und Rundbögen umgeben, die charakteristisch für den romanischen Stil sind. Insgesamt gibt es 207 Säulen an der Außenfassade, die auf den verschiedenen Ebenen angeordnet sind. Zwischen den Säulen können Sie fantastische Fotos machen und die beeindruckende Aussicht genießen.
Die Galerien dienen auch als natürliche Rastpunkte. Wenn Sie beim Aufstieg außer Atem geraten, können Sie hier eine Pause einlegen und sich erholen, bevor Sie weitergehen. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um die Umgebung in Ruhe zu betrachten – die Aussicht wird mit jedem Stockwerk besser.
Die Glockenstube
Das oberste Stockwerk des Turms beherbergt die berühmte Glockenstube mit den sieben historischen Glocken. Jede Glocke hat einen eigenen Namen und eine eigene Tonhöhe. Die größte Glocke, „L'Assunta", wiegt über 3,5 Tonnen und wurde im Jahr 1654 gegossen.
Die Glocken hängen im oberen Teil der Glockenstube und sind von der Aussichtsplattform aus gut zu sehen. Aus Sicherheitsgründen werden sie heute nicht mehr manuell geläutet, sondern mit elektronischen Hämmern angeschlagen, um die Vibrationen zu minimieren, die den Turm zusätzlich belasten könnten.
Die Aussichtsplattform
Der Höhepunkt jedes Turmbesuchs ist die Aussichtsplattform ganz oben. Von hier aus haben Sie einen 360-Grad-Panoramablick über Pisa und die toskanische Landschaft. Bei klarem Wetter können Sie bis zu den Apuanischen Alpen im Norden und dem Tyrrhenischen Meer im Westen sehen.
Direkt unter Ihnen breitet sich die Piazza dei Miracoli mit dem Dom, dem Baptisterium und dem Camposanto aus. Aus der Vogelperspektive können Sie die perfekte Anordnung dieser monumentalen Gebäude bewundern und verstehen, warum dieser Platz als einer der schönsten der Welt gilt.
Die Plattform ist mit einem Sicherheitsgeländer umgeben, aber dennoch sollten Sie vorsichtig sein. Der unebene Boden und die spürbare Neigung erfordern Aufmerksamkeit. Nehmen Sie sich Zeit, die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen – Sie haben etwa 30 Minuten für den gesamten Besuch.
Architektonische Details im Inneren
Das Innere des Turms mag auf den ersten Blick schlicht erscheinen, aber bei genauerem Hinsehen entdecken Sie faszinierende architektonische Details. Die Steinmetzarbeiten an den Türrahmen, die subtilen Reliefs an den Wänden und die handwerkliche Präzision der Marmorstufen zeugen von der außergewöhnlichen Handwerkskunst des Mittelalters.
An einigen Stellen können Sie Inschriften und Markierungen entdecken, die von Besuchern vergangener Jahrhunderte hinterlassen wurden. Obwohl das Beschriften der Wände heute streng verboten ist, sind diese historischen Graffiti interessante Zeugnisse der langen Besuchergeschichte des Turms.
Die Beleuchtung im Turm ist dezent und atmosphärisch. Natürliches Licht fällt durch die Öffnungen in den Außengalerien ein, während die inneren Bereiche mit subtilen elektrischen Lampen beleuchtet werden. Dies schafft eine stimmungsvolle Atmosphäre, die den historischen Charakter des Bauwerks unterstreicht.
Tipps für Ihren Besuch im Turminneren
Festes Schuhwerk: Die abgenutzten Marmorstufen können rutschig sein. Tragen Sie Schuhe mit guter Sohle – keine Sandalen, Flip-Flops oder High Heels.
Leichtes Gepäck: Große Taschen und Rucksäcke müssen in der kostenlosen Gepäckaufbewahrung abgegeben werden. Nehmen Sie nur das Nötigste mit – Kamera, Handy und einen kleinen Geldbeutel.
Zeit einplanen: Sie haben maximal 30 Minuten im Turm. Versuchen Sie, in Ihrem eigenen Tempo zu gehen und genießen Sie jeden Moment. Wenn Sie Tickets ohne Führung haben, können Sie selbst bestimmen, wie lange Sie auf jeder Ebene verweilen.
Zusammenfassung: Das Innere des Turms
- Hohler zylindrischer Schacht (ca. 7 m Durchmesser)
- Spiralförmige Wendeltreppe mit 294 Marmorstufen
- Spürbare Neigung während des gesamten Aufstiegs
- Zwischengalerien auf jeder Etage mit Außenblick
- Glockenstube mit 7 historischen Glocken
- 360-Grad-Aussichtsplattform ganz oben